Bad Laer

SoVD kritisiert: Pflegebedürftige warten zu lange auf Entscheidung

Mitglieder aus Bad Laer und Glandorf tagen gemeinsam im Maria-Elisabeth-Haus

Wer plötzlich pflegebedürftig wird oder sich um einen Angehörigen kümmern muss, steht vor vielen Fragen: Wie kann ich einen Pflegegrad beantragen? Welche Unterstützung steht mir zu? Das gehört zum Kernbereich unserer SoVD-Beratungsbüros. Dort zeigt sich allerdings, so der Kreisvorsitzende Gerd Groskurt und seine Stellvertreterin Hanna Nauber in einem Gespräch mit Mitgliedern der Ortsverbände Bad Laer und Glandorf, dass Betroffene im Fall eines Widerspruchs immer länger auf die Genehmigung ihrer Leistungen warten müssen. Rund 90 Prozent der Verfahren im Bereich Pflege dauern länger als drei Monate, kritisieren sie übereinstimmend.

Wenn der Pflegefall eintritt, brauchen Betroffene schnell Hilfe – vor allem, wenn die Pflege zu Hause stattfindet. Oft muss die Pflege über einen Pflegedienst organisiert werden. Wenn allerdings der Antrag auf Leistungen abgelehnt wird, zieht sich das anschließende Widerspruchsverfahren unverhältnismäßig in die Länge. Das zeigen die Zahlen des SoVD. „Im vergangenen Jahr haben mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitglieder mehr als drei Monate darauf gewartet, dass sie vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen noch einmal begutachtet werden. Das ist indiskutabel“, kritisieren Gerd Groskurt und Hanna Nauber vom Sozialverband Deutschland (SoVD). Fast die Hälfte der Verfahren hätte sogar länger als sechs Monate gedauert.

Für Betroffene oder Angehörige ist das ein unhaltbarer Zustand. So kann ein ohnehin schwerer Alltag nicht organisiert werden. Solche organisatorischen Dinge müssen dann einfach schneller gehen. Ein Widerspruchsverfahren darf nach unserer Auffassung definitiv nicht länger als drei Monate dauern, fordert der SoVD. Ähnlich wie bei einem Antragsverfahren sei auch bei Widersprüchen eine gesetzliche Regelung sinnvoll, die vorschreibt, wie lange ein solches Verfahren maximal dauern darf, fordert der SoVD.

Seitens der Politik wird immer wieder betont, dass Pflegebedürftige besser unterstützt werden müssen, formulieren die Versammlungsteilnehmer ihre Kritik. An diesem Punkt müsse man damit anfangen und Worten endlich Taten folgen lassen.

SoVD Bad Laer und Glandorf gemeinsam

Die SoVD Ortsverbände Bad Laer und Glandorf treffen sich am Freitag 31. August, 15:30 Uhr gemeinsam im Konferenzraum im „Maria Elisabeth Haus“ in der Elisabethstraße in Bad Laer. Neben der kurzen Vorstellung über die Entwicklung des Hauses das Lebensmittelpunkt und Zuhause für erwachsene Frauen und Männer mit einer geistigen und / oder mehrfachen Behinderung ist, wollen die beiden Ortsverbände ihre eigenen Entwicklungen und Perspektiven besprechen.

Da ist mehr Nähe und Gemeinsamkeit angesagt, sind sich die Verbandsvorsitzenden Heidi Sülthaus und Theodor Gerdes einig. Zudem, will der Sozialverband auch neue Themen aufgreifen. Wir wollen die Grundlinie guter Nachbarschaft in den Kommunen erhalten, so die beiden Kreisvertreter Hanna Nauber und Gerd Groskurt, die dieses Gespräch begleiten. Das spricht allerdings nicht gegen eine größere Öffnung des SoVD. Vor diesem Hintergrund sind Interessierte herzlich willkommen.

Raus aus der Billigdienstleistungsökonomie

SoVD Hauptversammlung: „gut gelaufen und abgeklatscht“

Mit vielen vorgegebenen Regularien durchlief die Hauptversammlung des SoVD im Ortsverband Bad Laer unter der Leitung von Heidi Sülthaus, einschließlich des vorgelegten Berichts von Schatzmeister Manfred Nielsen, ohne Beanstandungen. Anerkennend klatschte der Kreisvorsitzende Gerd Groskurt die Vorsitzende zum Ende der Veranstaltung ab (Bild) und dankte im Namen des Kreisvorstands für die geleistete Arbeit.

In einem kurzen Referat stellte der Kreisvorsitzende eine Aufgabe im Sozialverband Deutschland (SoVD) für den gesellschaftspolitischen Bereich vor. „Es geht darum die Realität im Blick zu behalten und die wirtschaftlichen Gegebenheiten vom Kopf auf die Füße zu stellen“, so der Kreisvorsitzende wörtlich. Die Aufmerksamkeit mit der die über die „Industrie 4.0“ geredet wird, müssen wir dringend für die Perspektiven von Erziehern, Altenpflegern und anderen Dienstleistern einfordern. Weil diesem Wirtschaftssektor der entsprechende Glamour fehlt, wird das nur wenig thematisiert. Allein in diesem Segment werden mehr Menschen eine Beschäftigung finden als in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien.

Es geht dabei nicht um die Beschäftigten alleine, sondern auch um unsere Lebensqualität, die unserer Eltern und Kinder. Die Beschäftigten kritisieren seit Jahren schlechte Bezahlung und Personalknappheit. Unser Bruttoinlandsprodukt wird schon seit längerer Zeit wesentlich über den Dienstleistungsarbeitsbereich erwirtschaftet. Es ist dringend notwendig daraus Konsequenzen zu ziehen. Eine Billigdienstleistungsökonomie –mit unzähligen Minijobs - wird unsere Gesellschaft teuer zu stehen kommen und zum Schluss über eine schlechte Alterssicherung bei der Finanzierung durch den Steuerzahler landen. Es wäre ein wirksamer Beitrag gegen die Spaltung der Gesellschaft, eine gute und solide Dienstleistungsbeschäftigung zu schaffen, mit denen die Beschäftigten langfristig ihre Existenz sichern könnten, so der SoVD in einer Mitteilung.